Bepreisen von Lastgängen

Ergebnisse: Neben der tabellarischen und grafischen Darstellung der bepreisten Lastgänge lassen sich auch unterschiedliche Ausgabeformate erzeugen, zum Beispiel PDF, Preiszeitreihen und CSV-Dateien.

Kleines Tool mit großer Wirkung

Südlich von Essen, wo Ruhrgebiet und Bergisches Land aneinander stoßen, liegt Velbert. Knapp 90.000 Einwohner leben in dieser Stadt. Für ihre Energieversorgung sind rund 260 Mitarbeiter der Stadtwerke Velbert verantwortlich. Günstige Energiekonditionen sind das Hauptinteresse der Kunden. „Besonders die 600 Sondervertragskunden prüfen die Preise ganz genau und stellen hohe Anforderungen an unseren Vertrieb“, sagt Energiemanagerin Helga Siller. Ihre Vertriebskollegen müssen daher knapp kalkulieren, um die Interessen der Stadtwerke und die Wünsche der Kunden unter einen Hut zu bringen. Dabei hilft ihnen seit drei Monaten endaprice+, eine Softwarelösung der EnDaNet GmbH mit Sitz in Erfurt und Bremen.

Mit Hilfe dieses Pricing Tools lassen sich Laststrukturen oder unterschiedliche Portfolios mit Strompreisen bewerten. Dazu greift die Software zum Beispiel auf Lastgänge zurück und überträgt diese in die Zukunft. Bei diesem „Zeitsprung“ berücksichtigt das Programm alle Wochen-, Feier- und Brückentage, auf Wunsch auch getrennt nach Bundesländern. Zudem kann es unplausible Werte im Lastgang erkennen und gewisse Lücken schließen. Mit der Verbrauchsprognose und den Marktpreisen, die es zum Beispiel von der European Energy Exchange (EEX) oder OTC bekommt, ermittelt das Programm den Mischpreis der Struktur und gibt neben anderen Informationen den Anteil von „Base“ und „Peak“ aus. Außerdem bewertet es die Restmenge (Residue) mit einer Hourly Price Forward Curve (HPFC). Zur Erstellung einer solchen HPFC auf Basis der Spotmarkthistorie oder anderer geeigneter Werte ist endaprice+ ebenfalls in der Lage.

Vorhersagevarianten sind leicht erstellt: Der Anwender kann den Prognosezeitraum frei bestimmen und den angenommenen Bedarf in Prozentschritten herauf- oder herabsetzen. Außerdem kann er Risikokennziffern auf die Resultate anwenden und so abschätzen, wie stark sich Preisschwankungen auf das Ergebnis auswirken würden. Zudem lassen sich Beschaffungsszenarien durchspielen, in denen der Anwender verschiedene Portfolios erstellt und bepreist.

Angebotserstellung per Knopfdruck

„Mit endaprice+ kann unser Vertrieb auf Knopfdruck ein detailliertes Angebot erstellen“, berichtet Helga Siller. Sie hat die Software auf der diesjährigen E-World kennen gelernt und wusste sofort: „Mit dieser Lösung können wir unkompliziert und effektiv arbeiten.“ Wichtig waren ihr zwei Kriterien: Zum einen sollte das Pricing ohne viele Eingriffe funktionieren, zum anderen sollten andere Quellen die Lastgangdaten liefern können. „Wir haben seit einigen Jahren eine Lastprognose-Lösung im Einsatz, deren Daten wir ebenfalls bepreisen möchten.“ In diese Prognosedaten fließen die über Jahre gesammelten Erfahrungswerte der Stadtwerke ein. Siller: „In der Urlaubszeit zum Beispiel schließen manche der hiesigen Betriebe komplett. Das ist bei unseren Prognosen schon berücksichtigt.“ Bei den kurzfristigen Prognosen fließt zudem der Wetterbericht ein. Im Stunden-Takt bekommen die Stadtwerke die aktuellen Vorhersagen für die Region geliefert. Sie weisen die zu erwartenden Temperaturen und Niederschläge sowie die Globalstrahlung aus. „Die Wetterdaten helfen uns, noch genauere Lastgänge für die kommenden drei oder vier Tage zu erstellen“, sagt Siller.

Die von ihr angesprochenen Lastprognosen befinden sich in dem Altsystem, aber sie lassen sich von endaprice+ unkompliziert verarbeiten. Das CSV-Format dient den beiden Lösungen als Austauschbasis. Zu manchen Gelegenheiten stellen die Mitarbeiter der Stadtwerke Velbert die Vorhersage des alten Systems der endaprice+ -Prognose gegenüber: „Das unterschiedliche Berücksichtigen von ‚Ausreißern‘ im Lastgang und die resultierenden Ergebnisse beim Pricing geben uns wertvolle Anhaltspunkte, wie wir Risiken bewerten sollten“, so Siller. Ein Unterschied von einem Drittel Cent pro Kilowattstunde sei keine Seltenheit. Dann lohnt sich das Studium der Lastgänge.

Aber nicht nur stadtwerksintern ergibt sich ein Nutzen aus dem Bepreisen der Lastgänge. Gerade größere Kunden können direkt von den Preisprognosen profitieren: Anhand von Angeboten, die für Base und Peak die zu erwartenden Kosten ausweisen, können sie die Relevanz von Stromspitzen gut abschätzen. Key Account Manager Gregor Thomaser hat also gute Argumente an der Hand, wenn er mit dem Angebotsausdruck zum Kunden geht. Er kann anschaulich erklären, wie begünstigend sich ein gleichmäßiger Verbrauch auf die Preisgestaltung auswirkt. „Durch ein Glätten der Verbrauchsspitzen können Gewerbe- und Industriebetriebe oft mehr sparen als durch zähe Preisverhandlungen.“ Der Vertriebsprofi nutzt endaprice+ nun nahezu jeden Tag. Entscheidend für diese Anwendung ist die Schnelligkeit, mit der ein Ergebnis erzielt werden kann. Die Ergebnisse helfen ihm bei der Akquisition und auch bei Verhandlungen mit Bestandskunden.

Hilfreich auch beim Stromeinkauf

Nützlich ist endaprice+ auch im Einkauf: Helga Siller und ihr Kollege Volker Bajorat checken etwa im Monatsrhythmus, welche Preise die Software für die Strombeschaffung ermittelt. So haben die beiden ein gutes Gefühl für die Marktentwicklung. „Den eigentlichen Einkauf erledigen die Wuppertaler Stadtwerke für uns“, erklärt Bajorat. Im Rahmen einer Regiopartnerschaft haben die Energieunternehmen von Remscheid, Velbert und Wuppertal den Einkauf zentralisiert und wickeln ihn über die wuppertaler Stadtwerke ab. Die stellen ihren Partnern zwar detailliert die Preiszeitreihe bereit, „aber hier sind Base und Peak nicht getrennt aufgeschlüsselt“, sagt Siller. „Mit Hilfe von endaprice+ können wir diese Werte nachvollziehen und ähnlich wie unsere Kunden Rückschlüsse ziehen.